Gedanken zur Jahreslosung 2026

von Moritz Gräper

Was war nochmal 2022? Langsam ging die Corona-Pandemie zu Ende und die Folgen wurden immer deutlicher. Und im Februar 2022 begann der brutale Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. In diesen historischen Kontext fiel das Treffen der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen, die sich immer drei Jahre im Voraus trifft, um die Jahreslosung dieses Jahr festzulegen. Menschen verschiedener Konfessionen bringen Vorschläge mit, diese werden auf den Tisch gelegt, besprochen und dann schlafen alle eine Nacht drüber. Am nächsten Tag einigen sich alle auf eine Jahreslosung. Die Jahreslosung für 2026 stammt aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel. Sie steht in einer prophetischen Vision des Sehers Johannes:

Offenbarung 21: 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Ich stelle mir vor, die Wahl fiel auf diesen Vers, weil die Sehnsucht 2022 groß war, dass Erneuerung kommt. Das Ende der Pandemie und die für vielen schlimmen Folgen und Erfahrung wurden sichtbar. Der beginnende Krieg Putins zerstörte die Illusion, dass Frieden in Europa unverbrüchlich ist. Gott, bitte mach alles neu!

Johannes der Seher spricht als Prophet in der Offenbarung. Gott lässt ihn das neue Jerusalem sehen. Die Offenbarung des Neuen Testaments steht damit in der Tradition der Propheten des alten Israels. Diese haben Wahrheit, oft unbequeme Wahrheit im Namen Gottes dem Volk verkündet. Sie haben vollmächtig in die Gegenwart gesprochen. Und gleichzeitig haben die Propheten des Alten Testaments Hoffnung gestiftet. In Zeiten von Belagerung, Deportation und Exil haben sie auf Missstände hingewiesen und dann immer wieder die Zuversicht auf Gottes Handeln gestärkt. Einige prophetische Botschaften aus der Hebräischen Bibel: Gott wird die Armen und Verfolgten aufrichten und die Mächtigen, die Ungerechtigkeit üben, stürzen und alle Völker in Frieden am Zion sammeln.

Propheten beschönigen nichts. Im Gegenteil. Sie sprechen aus, was ist und besonders auch, was nicht gut ist. Und immer halten sie die Hoffnung aufrecht. Auf ein gutes Ende. Darauf, dass es nicht so bleiben muss, wie es gerade ist.

Die Jahreslosung hat die Ewigkeit als Horizont. „Die erste Erde ist vergangen und das Meer ist nicht mehr.“ Johannes sieht vom Ende her ins jetzt. Wenn Gott sagt, „Siehe, ich mache alles neu“ meint er nicht kleine Reparaturen, keine Renovierung, keine minimalen Anpassungen. Gottes neumachende Kraft richtet sich auf das Ganze. Letztlich ist es auch österlich zu verstehen. Gott macht auch Leben neu aus dem Tod.

Ist es eigentlich immer gut, nach Neuem zu streben? In vielen Bereichen des Lebens ist es sinnvoll und geboten altes möglichst gut zu pflegen um es lange bewahren zu können. Kleidung, technische Geräte, gute Traditionen. Es kann verschwenderisch sein, immer nur Neues zu wollen. Werbung verleitet uns dazu, immer das Gefühl zu haben, ich bräuchte ein neues Handy, neue Schuhe, einen neuen Computer.

Das „Alles“, das Gott neu macht, meint nicht die Konsumgüter im Leben. Nicht das, was wir kaufen und besitzen können. Das Alles bezieht sich auf das, was uns geschenkt ist als Schöpfung Gottes. Das Gegebene. Letztlich unser Leben.

Und es ist Gott, der das Neue macht und schafft. Wir können uns auf ihn verlassen.

Gleichzeitig ist die Losung Inspiration für uns, in unserem Wirkbereich, unserem Zuhause, unseren Familien, unserer Gemeinde auch mutig Neues da zu machen, wo Altes belastet, destruktiv ist und schadet. Wo Neues dran ist, soll auch neues werden.

2026 wirkt die Corona-Pandemie schon sehr weit weg und trotzdem sind die Folgen immer noch sichtbar und nicht wenige Menschen leiden unter Spätfolgen der Pandemie. Leider dauert der Krieg in der Ukraine noch immer an. Und es gibt weitere Gründe, warum auch heute die Sehnsucht nach der neumachenden Kraft Gottes groß ist. Vertrauen wir der Losung aufs Neue: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.

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